• Team DKDE

Masernfälle auf Samoa - Recherchiert von der AGI - Arbeitsgruppe IMPFormation


Über den kleinen Inselstaat in Polynesien wird auch in den deutschen Medien in diesen Tagen intensiv berichtet: Über 4700 Menschen sind seit Mitte Oktober auf Samoa an Masern erkrankt, davon 70 Menschen – überwiegend Kinder unter vier Jahren – verstorben. [1]


Während als Ursache dieser epidemischen Ausbreitung und tragischen Todesfälle allein zu niedrige Masern-Impfraten gelten [2], werden schon seit Wochen Stimmen der Bevölkerung von Samoa über die sozialen Medien laut. Von Fehlbehandlungen und unnötigen Doppel-Impfungen im Rahmen der hektisch ausgerufenen landesweiten Zwangsimpfungen ist da die Rede, die für die viel zu hohe Rate an Komplikationen und Todesfällen verantwortlich sein sollen.


Die Rate fataler Ausgänge durch Komplikationen bei Masern liegt durchschnittlich bei 1-2 pro 1000 Masernfällen. Da wir es aber aktuell auf Samoa nicht mit 4 bis 9 Todesfällen zu tun haben, sondern mit 70 Todesfällen gleich um ein Vielfaches, drängt sich die Frage auf: Was führt derzeit auf Samoa zu einer derart hohen Sterblichkeit bei Masern?


Dutzende an Familien berichten über die sozialen Medien davon, wie den meisten Personen mit Masern-Symptomen pauschal Fiebersenker (Acetaminophen) und Antibiotikum verabreicht wurden, ohne dass dazu jeweils individuell eine Notwendigkeit bestand. Beide Medikamente schwächen einen Organismus, der akut mit einer viralen Infektion zu tun hat und diese durch das für Masern typische hohe Fieber bekämpft.


Erschwerend kommt hinzu, dass die WHO Empfehlung, bei Masern zwei Gaben von hochdosiertem Vitamin A zu geben, auf Samoa nicht – oder viel zu selten – umgesetzt wurde. Vitamin A verringert nachweislich Komplikationen und damit die Sterblichkeit bei Masern. [3][4]


Gehen wir zeitlich nochmal ein Jahr zurück: Was den diesjährigen Masernfällen auf Samoa vorgelagert war - von den großen deutschen Medien allerdings nicht berichtet wurde - sind zwei Vorfälle in einer Klinik auf der samoanischen Insel Savaii. Im Juli 2018 erhielten dort zwei Kleinkinder eine standardmäßige MMR-Impfung und verstarben jeweils wenige Minuten nach der Injektion.[5] Daraufhin gab es einen behördlich angeordneten Stopp aller MMR-Impfungen sowie intensive Untersuchungen der beiden Fälle. [6] Zwei Krankenschwestern wurden mittlerweile verurteilt, das Serum versehentlich verunreinigt und in einem Fall sogar die Ablehnung der Eltern zur Impfung missachtet zu haben.[7]


Als Folge dieser Todesfälle durch MMR-Impfstoffe wurden rund 8 Monate auf Samoa keinerlei MMR-Impfungen verabreicht. Die Angst und Verunsicherung bei Eltern kleiner Kinder war entsprechend groß, so dass die Masern-Impfrate bei Kindern innerhalb kürzester Zeit auf nur noch knapp 31% gesunken ist. Die vielen Fälle von Masern sind mit einer gesunkenen Impfrate möglicherweise erklärbar, die vielen Todesfälle dabei jedoch nicht.


Der erste Masernfall auf Samoa scheint durch einen Reisenden aus Neuseeland eingeschleppt worden zu sein, wo es im Laufe des Jahres 2019 mit über 2100 Fällen ebenfalls vergleichsweise viele Masernfälle gab.[8] In Neuseeland ist jedoch keine der an Masern erkrankten Personen verstorben [9], was wiederum darauf hinweist, dass bei den Todesfällen auf Samoa weitere Einflüsse eine Rolle spielen.

So ist für die Bevölkerung von Samoa eine durchschnittliche Mangelernährung mit deutlichen Defiziten auch an Vitamin A erfasst worden [10] - eine ungünstige Voraussetzung in Hinblick auf Komplikationen bei Masern.


So ist auf Samoa die Einhaltung der Kühlkette von Lebendimpfungen nicht immer gewährleistet gewesen – wie viele der nicht korrekt gelagerten MMR-Impfungen verimpft wurden, bevor dieser Umstand bekannt wurde und je nach Quelle 60 oder 6000 Impfdosen vernichtet werden mussten, ist nicht bekannt.[11] [12]


So haben Familien auf Samoa über die sozialen Netzwerke ihre Entrüstung geäußert, dass selbst Kinder mit akuten Masern-Symptomen während der Tür-zu-Tür-Impfaktionen geimpft wurden – eine MMR-Impfung dient nun wahrlich nicht der Behandlung von Masern.

Auch wirft der zeitliche Ablauf der Masernfälle auf Samoa weitere Fragen auf:

Anfang September (03.09.2019) findet sich die Angabe des Gesundheitsministers, dass kein Masern-Ausbruch zu verzeichnen ist, obwohl ein neuseeländischer Reisender mit Masern im Juli auf Samoa war.[13]


Ende September (30.09.2019) werden vier Fälle von Masern labortechnisch bestätigt, die bei drei Kindern und einem Erwachsenen ohne Komplikationen ablaufen.[Facebook-Posting der Regierung von Samoa am 30.09.2018]

Anfang Oktober (01.10.2019) sendet UNICEF 115.000 Dosen an Masern-Impfstoffen nach Samoa, Fiji und Tonga.[14] Ziel ist es, die Masern-Impfrate auf Samoa durch Impf-Aktionen auf über 90% zu erhöhen.


Mitte Oktober (16.10.2019) erklärt das Gesundheitsministerium offiziell einen Masern-Ausbruch auf Samoa.[15] Tonga erklärt wenig später am 24. Oktober einen Masern-Ausbruch (bei einer nationalen Masern-Impfrate von 99%) und Fiji am 7. November (bei einer nationalen Masern-Impfrate von 81%).



Anfang November (05.11.2019) werden erstmals drei Todesopfer in Verbindung mit Masern genannt.[16] Im Laufe des Novembers steigen die Zahlen der Erkrankungen und Todesfälle rapide an, während zeitgleich die Impf-Aktionen intensiviert werden. [Facebook-Postings der Regierung von Samoa]

Am 22. November (22.11.2019) gibt die Regierung von Samoa die Information raus, dass von den bis dato 1644 Masernfällen nun bei 122 Fällen Masern labortechnisch bestätigt wurden und dass ab diesem Zeitpunkt keine Masern-Typisierungen mehr empfohlen werden. Mittlerweile über 3000 Masernfälle wurden somit garnicht typisiert. Die Ergebnisse der ersten Typisierungen sind übrigens bis heute noch nicht veröffentlicht worden. [Facebook-Posting der Regierung von Samoa] Auch ist bislang keine Erfassung der Erkrankten nach ihrem Impfstatus zu finden.


Dass seitdem Gerüchte zirkulieren, dass es sich auf Samoa auch um Impfmasern und Komplikationen durch die völlig unselektiven Impf-Aktionen handelt, wundert kaum. Landet doch weltweit bei Erfassungen von Masern auch immer ein bestimmter Anteil an unerkannten Impfmasern in der offiziellen Statistik, seien es Erfassungen des US amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) oder des deutschen Robert Koch-Institutes (RKI).[17]


Während die multikausalen Zusammenhänge und speziellen Bedingungen auf Samoa in der Regel keinerlei Erwähnung finden, wird die Berichterstattung zu den Masernfällen dort direkt genutzt, um hier für die Masern-Impfpflicht zu werben. Dieser Art Vergleich ist allerdings hochgradig konstruiert – derartige Bedingungen von durchschnittlicher Mangelernährung, Fehlbehandlungen von Masernfällen und pauschalen Impf-Aktionen herrschen in Deutschland nicht und sind auch nicht zu erwarten.


Quellen unter diesem Link gelistet:

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=2947188438647561&id=865259676840458


Seite der AGI:


https://www.facebook.com/impformation/




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